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Einführung

Ralf Zimmer

Die Schatullrechnungen Friedrichs des Großen.
Eine Einführung

Die Veröffentlichung der „Schatullrechnungen“ Friedrichs des Großen wäre zu seinen Lebzeiten wohl Hochverrat gewesen. Denn für den Monarchen zählten Finanzangelegenheiten zu den schützenswertesten Arkana des Staates, an deren Publizierung nicht zu denken war. Wenn jetzt, im Vorfeld des 300. Geburtstag des Monarchen, diese Aufzeichnungen erstmals zur Gänze wissenschaftlich ediert werden und damit für jedermann zugänglich sind, stößt der heutige Leser bei der Durchsicht dieser Blätter immer wieder auf ungeklärte Fragen. Die Schatullrechnungen sind eine faszinierende Quelle zur Epoche Friedrichs des Großen, und gleichzeitig erscheinen sie als höchst sperrige Dokumente, die sich nicht unbedingt von selbst erschließen.

Das liegt vor allem in der „Natur“ der Kasse: Nach zeitgenössischen Lexika liegt das charakterisierende Merkmal einer „Chatoulle“ (wie man damals schrieb) in dem „unmittelbaren Gebrauche des Regenten“. Ohne dessen Befehl wurde hieraus nichts ausgezahlt. Für die Begleichung stehen hauptsächlich die Einnahmen aus „besonderen Schatullgütern“ oder festgelegte Beträge aus den „ordentlichen Einkünften des Staats“ zur Verfügung.

In Preußen hatte sich die zweite Variante bereits unter Friedrichs Vater Friedrich Wilhelm I. durchgesetzt. Demzufolge kann man die „Schatulle“ als eine Durchgangskasse betrachten. Aus anderen „Töpfen“ gespeist, diente sie zur Begleichung von Forderungen, deren Bezahlung aus der Schatulle allein der König entschied. Demzufolge haben unterschiedliche Herrscher verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Man kann also auch vermuten: Die Auswertung der Schatulle müssten besondere Aufschlüsse über die Interessen und Vorlieben des Monarchen ermöglichen.

Die oftmals anzutreffende Beschreibung einer „Schatulle“ als „Privatkasse“ bzw. „Kasse für private Ausgaben“ ist – zumindest im Falle Friedrichs – eher irreführend. Wann ist denn der Monarch „privat“? Mit jeder Tafel waren auch repräsentative Aufgaben verbunden, und wenn er seine Lieblingsschwester Wilhelmine empfing und für sie ein glänzendes Fest veranstaltete, dann traf er auch die Gemahlin des Markgrafen von Bayreuth, also eines potentiellen Verbündeten Preußens. Auch die mit Opernaufführungen verbundenen Besuche seiner Schwester Ulrike, der Königin von Schweden, trugen immer diesen doppelten Charakter eines privaten-familiären, aber eben doch auch politischen Ereignisses.

Darüber hinaus  war die „Führung“ solcher Rechnungen stets Bediensteten übertragen, die dem Monarchen durch ein besonderes Vertrauensverhältnis verbunden waren wie etwa die Geheime Kämmerer Fredersdorf und Leining sowie der Hofstaatsrentmeister und Trésorier Buchholtz; alle waren maßgeblich an der Abfassung dieser Rechnungen beteiligt. Konzepte für die Rechnungen dürften zudem von den Kammerhusaren Rüdiger und Zeising abgefasst worden sein. Der König hat sich zumindest einen Teil der Rechnungen vorlegen lassen, mitunter hat er sogar selbst an den Abrechnungen mitgewirkt, wie mit Anmerkungen versehene und eigenhändig verfasste Blätter zeigen.

Wie vorher geschildert, befanden sich alle mit der „Schatulle“ befassten Personen im unmittelbaren Umfeld des Königs. Diese Tatsache birgt ein Problem: Die meisten Ausgaben mussten nicht ausführlich beschrieben werden, alle Beteiligten waren mit ihnen vertraut. Um den Kontext der notierten Rechnungsposten besser zu verstehen, hätten vielleicht die zu den Rechnungen gehörenden, meist durch die Empfänger ausgestellten Quittungen helfen können. Diese enthielten oftmals eine kurze, weitergehende Beschreibung. Doch diese Aufzeichnungen – immerhin 75 Bände – sind im Zweiten Weltkrieg verlorengegangen. So zählten die Archivare des Brandenburg-Preußischen Hausarchivs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 15 Aktengruppen (Altsignatur G I bis G XV) zur „Schatulle“ Friedrichs.